Einstweiliger Rechtsschutz gegen rechtswidrige Versetzungen:

Das Direktions- oder Weisungsrecht des Arbeitgebers bedeutet, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer
Weisungen hinsichtlich der Art und dem Inhalt der Arbeit, dem Ort der Arbeit, der Lage der Arbeitszeit etc.
erteilen kann. Nicht vom Direktionsrecht gedeckt ist die Übertragung von geringerwertigen Tätigkeiten
(ständige Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts).

Die Wertigkeit der Tätigkeit hat nichts mit der tatsächlichen Bezahlung zu tun.
Ein beliebter Schachzug von mobbenden Chefs: "Im Rahmen einer Neuorganisation werden Ihre
Aufgaben jetzt vom Kollegen XY übernommen. Sie machen statt dessen jetzt ... (geringerwertige Tätigkeit).
Ansonsten bleibt alles, natürlich auch Ihr Gehalt unverändert."

So geht es nicht. Eine geringerwertige Tätigkeit ist auch dann geringerwertig, wenn das bisherige
Gehalt weitergezahlt wird. Eine solche Maßnahme bedürfte der Zustimmung des Arbeitnehmers (der sie
wohl hoffentlich nicht erteilt). Ansonsten wäre die Maßnahme nur im Wege der Änderungskündigung
möglich. Bei der Änderungskündigung muss der Arbeitgeber alle Regeln einer Beendigungskündigung
beachten: Wegfall des Beschäftigungsbedarfs, Sozialauswahl etc. Ist also nicht einfach für den Arbeitgeber.

Das Problem ist: bei Versetzungen ist es dem Arbeitnehmer meist zuzumuten, abzuwarten,
wie die Arbeitsgerichte über die Frage der Rechtmäßigkeit der Versetzung entscheiden. Das ist schlecht,
denn bis ein rechtskräftiges Urteil in der Berufungsinstanz vorliegt, können schon mal zwei Jahre vergehen.

Hilfe kommt vom Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz. Das hat in zwei Entscheidungen entschieden,
dass dies aber nicht für den Fall einer offensichtlich rechtswidrigen Versetzung gelten kann, da ansonsten
das Recht des Arbeitnehmers auf die arbeitsvertraglich vereinbarte Beschäftigung zumindest zeitweise
unwiederbringlich nicht durchgesetzt werden könnte (Urteile vom 01.02.2011, 7 Ta 280/10 und 09.02.2011, 7 Ta 7/11).

Ähnlich hatte schon zuvor das LAG Hamm enschieden (Urteil vom 05.02.2008, 11 SaGa 4/08):
"Von den Fällen einer offenkundigen Rechtswidrigkeit abgesehen erfordert die Bejahung eines Verfügungsgrundes
für eine einstweilige Verfügung gegen Weisungen zu Inhalt, Ort und Art der Arbeitsleistung ein gesteigertes
Abwehrinteresse des Arbeitnehmers, wie es bei erheblichen Gesundheitsverfahren, einer drohenden irreparablen
Schädigung des beruflichen Ansehens des Arbeitnehmers oder bei schweren Gewissenskonflikten bestehen kann.
Je mehr für den Verfügungsanspruch des Arbeitnehmers spricht, desto weniger schutzbedürftig sind die
Interessen des Arbeitgebers an der Realisierung der angeordneten Maßnahme".

Der Entzug der Führungsverantwortung, die Degradierung vom Abteilungsleiter zum Sachbearbeiter ist niemals
vom Direktionsrecht gedeckt und daher nicht im Weg der Versetzung ohne die Zustimmung des Arbeitnehmers zulässig.
Auch unter Hinweis auf angebliche Schlechtleistungen der Führungskraft nicht. Strafversetzungen kennt das
deutsche Arbeitsrecht nicht. Bei angeblichen Leistungsmängeln muss der Arbeitgeber abmahnen und darf eine Kündigung
versuchen. Trotzdem wird die rechtswidrige Versetzung von Arbeitgebern immer wieder versucht, weil der Arbeitgeber
damit rechnet, dass der Arbeitnehmer sich vor lauter Angst um seinen Arbeitsplatz nicht wehrt.

In solchem Fällen sollte man sich unverzüglich wehren, sonst droht das gesammelte arbeitsrechtliche Horrorszenario:
vertragliche, tarifliche und gesetzliche Ausschlussfristen, Verwirkung, Verjährung, konkludente Zustimmung.