Degradierung:

Es kann jeden treffen, der eine Führungsposition hat: die Degradierung.

Anlass ist meist, dass die Firmenleitung aus unterschiedlichen Gründen unzufrieden mit Ihnen ist:
entweder hat sich ein wichtiger Kunde beschwert, oder ihre Mitarbeiter haben sich beschwert oder
Sie haben sich aus sonstigen Gründen unbeliebt gemacht.

Man lädt Sie zu einem Gespräch ein, dort sitzt dann für Sie vollkommen unerwartet nebem ihrem Vorgesetzten
auch der Personalleiter. Man eröffnet Ihnen, dass Sie aus diesem oder jenem Grund in der bisherigen Position
nicht mehr eingesetzt werden können. Sie versuchen, sich zu verteidigen, aber ihr Vorgesetzer sagt, dass die
Entscheidung schon gefallen ist. Vergleichbare offene Positionen auf Ihrem bisberigen Level gäbe es leider nicht.
Es blieben nur zwei Möglichkeiten: entweder Sie suchen sich eine neue Stelle oder man könnte Ihnen eventuell
eine niedrigere Position zu einem deutlich schlechteren Gehalt anbieten.

Manchmal ist man auch gar nicht so "höflich" sondern sagt direkt: "Ab Montag melden Sie sich bitte bei ihrem
neuen Vorgesetzten (der bislang ihr Kollege war).

Was also tun? Ruhe bewahren. Nicht zustimmen. Bedenken Sie, dass eine Versetzung auf eine niedrigere
Position niemals vom Direktionsrecht des Arbeitgebers gedeckt ist.

Wenn Sie zu einem Gespräch eingeladen werden, dass ein Personalgespräch werden soll oder sich plötzlich
als solches entwickelt, ziehen Sie bitte sofort ein Mitglied des Betriebsrats hinzu (falls ein BR vorhanden ist).
Wenn der gerade nicht kann, findet das Gespräch eben später statt.

Im Gespräch selbst "verteidigen" Sie sich bitte nicht. Lassen Sie sich nicht auf Diskussionsrunden ein, die Sie
nicht gewinnen können. Statt dessen nehmen Sie bitte ein Blatt Papier und notieren Sie alles, was man Ihnen
vorwirft. Dann sagen Sie, sie möchten das mit Ihrem Anwalt besprechen.

Und dann besprechen wir, was man tun kann. Entweder man verhandelt gleich ein gutes Aufhebungspaket
(Abfindung, Freistellung, excellentes Zeugnis, Outplacement) oder man muss die Angelegenheit gerichtlich
klären (was meist aber auch früher oder später zu einer gütlichen Trennung führt).

Bitte haben Sie keine Angst, möglichst frühzeitig einen Anwalt einzuschalten.
Das ist ein Zeichen von Professionalität. Niemand in gehobener Position verhandelt seinen "Transfer" selbst.

18. Mai 2013

RA Frank Linzer
www.linzer.de