Bossing-Sachverhalte

Journalisten fragen häufig: woran erkennt man als Arbeitnehmer, dass man "gebosst" wird?

Es ist immer eine Frage des Einzelfalls. Ausgehend von der Definition des Bundesarbeitsgerichts, das
seinerseits auf die Definition der Belästigung in § 3 Abs. 3 AGG abstellt, muss man vorausschicken:
Bossing erfolgt nicht durch einen einzelnen Vorfall, sondern ist dadurch gekennzeichnet, dass ein
von
Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes
Umfeld geschaffen wird. bzw. der /die Vorgesetzte schafft dieses sogenannte "feindliche Umfeld".

Dies bedeutet, dass es sich um ein systematisches Vorgehen des/der Vorgesetzten handelt, bei dem
mehrere Handlungen zum Nachteil des Arbeitnehmers aufeinander aufbauen oder ineinander greifen.

Typisch ist, dass der bei seinem/r Vorgesetzten in Ungnade gefallene Mitarbeiter nicht mehr die gleiche
Wertschätzung erfährt wie früher oder wie Kollegen, sondern, dass er gezielt schlecht behandelt wird.
Ein paar Beispiele aus meiner Praxis:

anspruchsvolle Projekte werden entzogen, Führungsverantwortung wird entzogen, an Meetings darf man nicht
mehr teilnehmen, Termine werden ohne Rücksprache gestrichen, ständige Kritik, speziell vor den Kollegen,
Nichtzuweisen von Arbeit, Überhäufen mit Arbeit, Zuweisen niederwertiger Arbeit, Zuweisen gesundheitsschädigender Arbeit,
Versetzung in ein abseits gelegenes Büro, Abstellen des Telefons, Löschen des email-Kontos, Redeverbote,
Kommunikation nur noch schriftlich, Fragen werden nicht beantwortet, Gerüchte werden verbreitet,
nicht mehr grüßen, wie Luft behandeln, gezielte Übertragung von unlösbaren Aufgaben, um Abmahnungen zu produzieren.
gehäufte ungerechtfertigte Abmahnungen, rechtswidrige Versetzungen, Kündigungen unter abstrusen Gründen.,
absichtliche Nichtzahlung des Gehalts, um Druck auszuüben.

Wohlgemerkt: ein einzelnes Merkmal reicht niemals aus. Mehrere Merkmale müssen zusammen kommen.
Also Ehrverletzung plus "feindliches Umfeld" (so BAG ab 24.09.2009 8 AZR 705/08)